Kurze Liebesgeschichte

Schiggy.

Die Schule beginnt und ich muss den Betonblock betreten, jeden Tag, 6:07 der Wecker, und die Seiten von Pyramiden mit Pythagoras berechnen und Bücher in den Händen halten ohne sie zu lesen, nur den Anfang, die ersten paar Sätze, die muss ich auswendig lernen und wenn ich sie kann, dann muss ich sie rückwärts auswendig lernen bis ich sie vorwärts verlerne und wieder vorwärts auswendig lerne und so weiter und dann muss ich das Buch auf den Kopf drehen und das Buch von hinten lesen und die letzten Sätze vorwärts und rückwärts auswendig lernen bis ich einschlafe und im Schlaf weiter lerne und am nächsten Tag alles weiss, aber nichts mehr verstehe und dann muss ich wieder zur Schule gehen und ein Zettelchen ziehen und ziehe nicht Biologie, nicht Geschichte, nicht Mathematik, nein, Wassersport steht auf meinem Zettelchen und ich muss lernen, dass die Schule trocken ist und es Wassersport an der Schule nicht gibt, zumindest nicht mit Wasser und ich muss trotzdem jeden Tag hingehen und die Rutsche runter rutschen und auf dem Boden schwimmen und am Abend meinen wunden Po und Bauch verarzten und lerne den Sonntagabend zu hassen und Freitagnachmittag zu lieben und muss die Bilder von den abgemalten Äpfeln im Flur anschauen, wovon einer ganz gut und einer ziemlich schlecht abgemalt ist und der Rest unheimlich gleich und muss Computerspiele spielen und lerne Fenster zu schätzen, da es an meiner Schule keine gibt und lerne kalte Energiesparlampen zu hassen, da es an meiner Schule zu viele gibt und träume vom Surfen und muss Prüfungen ablegen und einen perfekten Salto vom Sprungturm springen und muss lernen, dass es auch da kein Wasser gibt und bin angewiesen auf die fünf Wochen Urlaub danach und muss Menschen zuhören, die nicht sprechen und muss Freunde haben, die ich nicht kenne und will alleine am Meer leben und von nichts wissen und für immer weggehen und muss wieder zur Schule und fluche laut und spucke auf den Boden und rutsche aus und erblicke ihr Gesicht und ihre Augen und ihre Beine und ihre Füsse und ihre Lippen und ihre Hand und meine wird feucht und die Füsse nass... und ich schreibe ihr einen Zettel:

«Angenommen wir würden schnorcheln gehen und du fändest das nicht peinlich und du würdest denken ich wäre der Richtige und ich würde denken, du wärst die Richtige und ich würde nicht so zittern, wenn ich dich sehe und ich könnte meine Augen schliessen und dich nicht sehen und ich würde dich länger als einen Tag kennen und ich wäre dicht im Kopf und du würdest grinsen und unsere Mutter wäre dieselbe und ich hätte das nicht geschrieben und Morgen wäre alles vorbei und Morgen würde alles anfangen und der Pfarrer würde kommen und das Meer würde sich spalten vor uns und meine Augen wären nicht blind und meine Hände wären nicht taub und du könntest einen Handstand machen und die Welt sehen, wie ich sie sehe und du wärst eine Prinzessin und ich dein Prinz und unser Schloss wäre nicht aus Marzipan und Zuckerwatte wäre gratis und das Leben wäre kein Ponyhof und du wärst nicht der Teufel und die Spinne an der Decke würde dir keine Angst machen und du würdest nie wieder Wasser trinken, nur noch Wein, Ganz viel Wein, Ich auch, Ganz viel Wein und ich wäre in keinem Delirium und das Leben würde anders enden als es begonnen hat und die Welt wäre keine Scheibe, sondern eine Kugel und ich wäre kein Philosophe und ich würde nicht sabbern, wenn ich dich sehe und du würdest nicht sabbern, wenn du mich siehst und ichkönnte deine Lippen streicheln und nie damit aufhören und du meine und nie damit aufhören und du würdest mich in Ruhe lassen und ich würde wieder Schlaf kriegen und du fändest das nicht peinlich und am Ende wären wir.»

Und sie grinst und ich werde rot und sie gibt mir einen Kuss und ich zerfliess und hüpfe hoch und zeige ihr meine Pokemonsammlung und sie mir den Weg ans Meer und ich schwimme ihr Kunststücke und mache nie halt und will noch mehr und schenke ihr ein Schloss und wir springen wie Frösche und essen nur Kuchen und trinken nur Wein und lieben uns bis an alle Ewigkeit und ich werde verhext und finde Schlangen in den Spaghetti und wir hassen uns sehr und ich male mein Gesicht und mache ein Foto und sie lacht mich aus und dreht sich weg und ich ertrinke im Meer und stelle mich auf den Kopf und sehe alles gleich und muss mich übergeben und überall sind Schlangen und ich renne weg und rutsche wieder aus und sie sagt «tschüss!» und wieder der Wecker und ich dusche sehr lang.

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