Feministische Kritik

Ein orientierungsloser Schauspielstudent meinte es gut mit der Welt. Vor der Aufführung seines selbstgeschriebenen Semesterabschluss-Monologes, stellte er sich auf die Bühne und gesteht seinen Mitstudierenden:

Ich habe Angst. Ich traue mich auch kaum von meiner Angst zu sprechen und das zu benennen, was mir so Angst macht. Aber es ist unabdinglich, ich muss meine Angst benennen, ansonsten werde ich mich nie wirklich frei fühlen. Ich fürchte mich vor feministischer Kritik. Nichts in meinem bisherigen künstlerischen Schaffen hat mir mehr Angst gemacht als diese. Damit will ich nicht sagen, dass diese Kritik falsch, schlecht oder böse wäre. Auch will ich sie nicht loben, denn sie lässt mich tatsächlich erstarren. Ich habe Angst vor persönlicher Abwertung. Ich habe Angst davor, dass man mich für einen unzeitgemäßen moralischen Versager hält. Ich will hier lediglich meiner Angst Ausdruck verleihen. Ich bin tatsächlich vollkommen unpolitisch. Es ist gut möglich, dass ich kein guter Mensch bin. Ich werde mich im Folgenden auch nicht rechtfertigen mit dem Stichwort “Meinungsfreiheit”. Auch geht es mir nicht darum zu sagen, dass ich mich in meinem künstlerischen Schaffen nur meiner inneren Wahrheit widme und entsprechend meine Gedanken möglichst ungehemmt teilen möchte oder Ähnliches. Ich will damit nur sagen, dass ich diese Kritik ständig in mir höre und dass ich unglaublich Angst vor ihr habe.

Das Publikum wusste nicht recht, was es von dieser Ansage halten sollte. Es schätzte zwar die grosse Aufrichtigkeit des Schauspielers, empfand ihn in diesem Moment jedoch als Schwächling.